Oktober 15th, 2006
Storycontest: missxyzs Story

Vier Begriffe, eine Story und 25min Zeit. Die gegebenen Begriffe waren: Blumenbeet, Kaugummi, Fahrrad, Jeans
Und das ist draus geworden. Lest selbst!
Langeweile. „Oh, wie langweilig“, stöhnte er und drückte auf den Standby-Knopf des Fernsehers. Er hatte nun schon den ganzen Vormittag mit dem völlig sinnlosen Rumzappen verbracht. Brutale Actionfilme vom letzten Abend mit absolut schlechten Schauspielern, furchterregende Schlagershows, in denen wie in der Zahnpastareklame tolle Blondinen von der Liebe sangen und eine Band (natürlich Playback) vor einem Blumenbeet Harfe und Keyboard spielten. Das fanden ja echt nur Omis toll!
Er schaute aus dem Fenster, während er auf seinem schon merklich an Geschmack verlorenen Hubbabubba-Kaugummi herumkaute. Es nieselte leicht. Doch das würde ihn echt nicht davon abhalten ein paar Runden mit seinem neuen Fahrrad zu fahren.
Sichtlich stolz dachte er an sein Fahrrad, das er nun aus der Garage holen würde. Wow! Es war nagelneu und hatte noch keinen einzigen Kratzer! Er erinnerte sich noch an die neidischen Blicke seiner Kumpels. Aber er war auch sehr hartnäckig gewesen. Jedes Weihnachten, zu jedem Geburtstag hatte immer wieder ein Begriff auf seinem Wunschzettel gestanden: ein Fahrrad. Seine Eltern hatten diesen Wunsch zwar immer wieder überdacht, ihn aber immer ignoriert. Klamotten, unter anderem eine Jeans, aber ein Fahrrad hatte er nicht bekommen. Tja, und nun hatte es doch noch geklappt.
Doch nun suchte er es mit steigender Verzweiflung. Wo war es bloß? Das Licht in der wirklich gerümpeligen Garage war schlecht und er schaute mit klopfenden Herzen hinter einige Umzugskartons, Kisten mit Gartenwerkzeugen. Nichts zu finden. Er bekam ein mulmiges Gefühl im Magen. War es…war es etwa gestohlen worden?
Er versuchte sich zu erinnern. Hatte er nicht gestern das Garagentor gründlich abgeschlossen, nachdem er mit dem Fahrrad von seinem Kumpel Jörg wiedergekommen war? Klar! Doch im nächsten Moment fiel es ihm siedend heiß ein: Nein!!!
Er wollte die Garage abschließen, doch dann hatte seine Mutter ihn gebeten, ihr doch beim Auspacken der Einkäufe zu helfen.
Tränen stiegen ihm in die Augen. Zum Glück konnte ihn jetzt niemand sehen. Er setzte sich auf den schmutzigen Garagenboden und starrte eine ganze Weile so vor sich hin. Sein schönes Fahrrad! Weg! Einfach weg.
Sicher saß er noch eine Weile in der düsteren Garage, er konnte sich nicht mehr erinnern. Irgendwann öffnete sich das Garagentor einen Spalt weit und Tageslicht fiel herein. Seine Mutter steckte ihren Kopf durch das Tor. „Mensch, Benni, was machst du denn hier? Warum fährst du nicht ein bisschen mit deinem Rad?“ Er antwortete nicht. Panik stieg in ihm hoch. Was würde seine Mutter sagen, wenn er sagen würde, dass sein Fahrrad gestohlen wurde? Sie würde fürchterlich schimpfen, ihm sicher nie wieder so ein tolles Rad kaufen! „Na komm doch raus! Die Sonne scheint! Was willst du hier in der dunklen, stickigen Garage?“ Langsam erhob er sich und schlurfte zum Tor. Er traute sich jedoch nicht seiner Mutter in die Augen zu schauen.
Er blinzelte vom Sonnenlicht geblendet, als er aus der Garage ins Freie trat. Ein überraschter, glücklicher Laut stieg in ihm auf. Wie war das möglich?
Er muss wohl einen ziemlich seltsamen Gesichtsausdruck auf dem Gesicht gehabt haben. Seine Mutter fragte nämlich erstaunt, was los sein. Er schwieg. Erleichtert wie nie zuvor. Vor ihm stand im Sonnenlicht glänzend – sein nagelneues Fahrrad. Seine Mutter erklärte: „Benni, ich hab ganz vergessen es dir zu sagen. Ich hab dein Rad gestern noch zu einem Freund von mir gefahren, er hat die Bremsen in Ordnung gebracht. Jetzt ist wieder alles super!“
Natürlich, die Bremsen! Wie konnte er das vergessen? Seine Mutter hatte gestern Abend beim Abendessen von diesem Radmechaniker Thomas erzählt, doch er hatte nur mit einem halben Ohr zugehört. Er lächelte und schwieg von seinen Ängsten, die er vorhin wegen des Fahrrads ausgestanden hatte. Mütter mussten ja auch nicht alles wissen!