Verloren am Hauptbahnhof

„Ich hab sie verloren!“, dachte ich voller Schreck und merkte aber, das diese Tatsache hier nicht wirklich irgendwen interessierte. Hinter mir waren ein paar ältere Männer mit Bärten, die aus Flaschen tranken, neben mir schon ältere Jungen und Mädchen, die rumkicherten und mit ihrem Handy Fotos machten.
Und Mama und Papa schienen mich überhaupt nicht zu vermissen. Keine aufgeregten Schreie… Ich schluckte die Tränen hinunter. Jetzt bloß nicht weinen! Jungen weinen nicht!
Ich schaute mich weiter in der Menge um. Doch weit und breit keine Mama und kein Papa! Was war, wenn sie mich nicht fanden? Ich merkte, dass sich schon wieder ein Kloß in meinem Hals bildete. Doch ich hatte nicht mehr länger Zeit – das Feuerwerk begann. Das Gebäude, wegen dem alle gekommen waren, leuchtete in grün, rot, blau und gelb. Musik (irgendsowas Komisches, was meine Eltern auch immer hören… gähn) ertönte. Irgendeiner von den bärtigen Männer hinter mir, hob mich auf ein Geländer. „Sonst siehste ja gar nix, Kleener!“, sagte er in lallendem Ton. Ich antworte nichts. Ich war zu fasziniert von dem Lichtspiel und von den Lichteffekten, die von dem Gebäude ausgingen. Wenn ich das meinem Freund Tom erzählte..der würde staunen! Aber vielleicht war er ja auch selbst gerade hier. Ganz Berlin war ja scheinbar hier versammelt. Ich staunte und merkte gar nicht, wie die Zeit verging. Irgendwann starteten die Leute von dem Gebäude (Mama hatte mal irgendwann von einem Bahnhof geredet..ich hatte nicht so ganz zugehört) Raketen an und alle klatschten und pfiffen.
Das Feuerwerk war vorbei. Alle drängelten und drängten in die Richtung, wo das beleuchtete Gebäude stand. Ich blieb auf dem Geländer sitzen. Und wartete. Wo blieben bloß meine Eltern? Es fing an zu regnen. Und ich wartete weiter.
Plötzlich hörte ich jemanden meinen Namen rufen: „Paulchen!“ Oh, wie peinlich! Das konnte nur meine Mutter sein. Ich schaute mich um und – da standen sie: Meine Mama, in ihrem roten Regenmantel und mein Papa, sichtlich erleichtert. Ich lief zu ihnen. „Mensch, Paulchen, wie siehst du denn aus! Hast du hier die ganze Zeit im Regen gewartet? Hoffentlich erkältest du dich nicht! Wir haben dich die ganze Zeit gesucht..oh wo..warst du nur..!“ Meine Mutter redete auf mich ein. Ich sagte nichts, schaute nur meinen Vater an. „Lass gut sein, Regine! Hauptsache Paul ist wieder da!“ Er zwinkerte mir zu und strich mir über mein vom Regen nasses Haar.

Anmerkung: Diese Geschichte ist aus der Sicht eines kleinen Jungen geschrieben! ;)

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