Es war Liebe auf den ersten Blick

Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich sah ihn und wusste sofort: Er gehörte zu mir. Ich musste ihn haben!
Als ich ihn so im Schaufenster sah, bewunderte und nicht mehr die Augen von ihm reißen konnte, konnte ich gar nicht anders als den Laden, wie ich später bemerkte eine richtige Edelboutique, zu betreten. Zielstrebig zog ich an dem goldenen Türknauf und schloss die Glastür hinter mir. Eine Verkäuferin in einem edlen, glitzernden Kleid begrüßte mich mit einem strahlenden Lächeln. „Guten Tag!“, erwiderte ich unsicher und schaute mich in dem Traum einer Boutique um. Goldene Hüte, glänzende Perlmuttperlenketten, seidig glänzende, traumhafte Kleider.. In einem Satz: Ich konnte mich nicht sattsehen. Die Verkäuferin, immer noch einen strahlendes Zahnpastalächeln aufgesetzt, bemerkte meine Blicke. „Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein? Was in der Art wünschen Sie denn? Vielleicht ein schickes Sommerkleid zum Start der Saison?“ Ich wurde verlegen. Ja, was wollte ich eigentlich? Hastig murmelte ich etwas wie: „Ich will mich erstmal nur umschauen. Vielen Dank“ und ging auf einen mit Kleidern behängten Kleiderständer zu. Langsam schob ich die Kleiderbügel weiter…es war alles elegant geschnitten, doch es schien, als würde ich nicht fündig werden. Bis es mich durchzuckte. Ich sah…ihn. Der beigefarbene Blazer aus dem Schaufenster! Aus der Nähe betrachtet sah er noch wundervoller aus. Diese kleinen Stickereien..und die Perlen, die auf dem ganzen Blazer eingearbeitet waren. Aufgeregt nahm ich den Bügel vom Ständer… „Bitte, bitte..lass es meine Größe sein!“, hoffte ich inständig, während ich das Etikett umdrehte. Ich stieß einen kleinen Freudenschrei aus. Größe 38..meine Größe. Ich musste ihn anziehen..sofort. Hastig zog ich meine, schon völlig ausgewaschene Jeansjacke aus und schlüpfte in den Blazer. Ich stellte mich vor einen der Spiegel. Er saß perfekt. Als hätte der Designer ihn eigens für mich gefertigt! Ich sah mein Spiegelbild an, konnte meine Augen nicht mehr davon abwenden. Dieser Blazer – ein Traum! In Paris, New York, Mailand..egal, wo auf der Welt… mit diesem Stück würde ich mein altes Outfit grundlegend über Bord werfen. Übergroße Pullis aus dem Second-Hand Shop – nie wieder! Auf der Straße würde ich Reichtum und Wohlstand ausstrahlen.. jeder würde sich fragen, wer zum Teufel ich sei.. ob ich nicht eine berühmte Schauspielerin sei!
Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich gar nicht bemerkte, wie die Zeit verging. Ich starrte immer noch, ein wohlgefälliges Lächeln auf dem Gesicht, mein Spiegelbild an. Die Verkäuferin räusperte sich. Sie trat hinter mich. „Ich muss schon sagen. Dieser Blazer steht Ihnen ausgezeichnet. Wollen Sie Ihn gleich anbehalten oder soll ich ihn Ihnen noch schön einpacken?“ Ich erschrak, wurde erst rot und dann blass im Gesicht. Ich schämte mich. Die Verkäuferin dachte vermutlich wirklich, dass ich ihn kaufen würde. Sie hatte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Beschämt senkte ich den Kopf. Stieß hervor: „Wie viel kostet er denn?“ „Er ist reduziert. Kostet nur noch 312,95 € 312 € (Anmerkung: Gerader Preis ist wohl besser!)“ Sie sah mich prüfend an. „Sie können natürlich selbstverständlich in unserem Haus auch mit Karte bezahlen!“ Ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln. Es wirkte künstlich. Sie machte sich bestimmt über mich lustig. Ich konnte die Provokation in ihren Augen sehen. Der kalte Schweiß brach mir aus. Plötzlich begann sich alles um mich zu drehen. Mir wurde schwindlig. Ich wollte hier raus, sofort! Ich rannte…ja..ich rannte. So schnell ich konnte aus dem Laden. Hörte die Alarmanlage hinter mir. Den hohen Aufschrei der Verkäuferin. „Bleeeiben Sie stehen..!“ Jemand verfolgte mich. Irgendwer. Vermutlich der Ladendetektiv, der sich auch unauffällig in der Boutique aufgehalten hatte. Ich rannte so schnell wie ich noch nie zuvor gerannt war. Aber es ging ja auch um mein neues Leben.
Ich weiß nicht, wie lange ich lief. Irgendwann hatte ich meinen Verfolger abgeschüttelt. Keuchend und schnaufend blieb ich stehen, lehnte mich gegen eine Häuserwand. Ich staunte selbst über mich. Ich hatte tatsächlich einen Diebstahl verübt. Zärtlich streichelte ich über den bestickten Blazer. Durch meinen langen Sprint verschwitzt..so konnte er natürlich nicht bleiben. Aber erst mal gewaschen und gebügelt – ich seufzte. Ja.. bald würde ich mit ihm durch die Fußgängerzone von Mailand oder Paris stolzieren!


Soo, seit langem mal wieder eine neue Geschichte. Freu mich über Kommentare! :)

Cya,
eure Missxyz

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