Januar 21st, 2006
Mord auf dem Golfplatz - Teil 6
Es war 14.55 Uhr, als Kommissar Peter Budzynski in eine der vielen mit Bäumen dicht bewachsenen Alleen der Villensiedlung in Berlin-Frohnau einbog. Hier irgendwo wohnte Regine von Hofstedt, eine eventuell wichtige Zeugin in den Mordfällen auf dem Golfplatz. Budzynski seufzte erleichtert auf, als er endlich eine mit Efeu bewachsene Villa mit der Hausnummer 35 fand. Er war schon eine Weile in der Gegend umhergekurvt, um schließlich zu merken, dass hier in der Gegend alles gleich aussah und war schließlich zu der Erkenntnis gekommen, dass hier in Frohnau noch Leute mit Geld, viel Geld, lebten.
Nun parkte er seinen grauen Golf hektisch ein und lief sogleich zum großen weiß gestrichenen Gartentor und drückte auf die Klingel. Es knackte. Eine Frauenstimme (Budzynski schätzte sie auf etwa 70) knarzte: „Ja, bitte?“ „Peter Budzynski, von der Mordkommission!“ Die Stimmlage der Frau wurde höher: „Ach, Sie! Welch Freude!“ Sie drückte den Summer und Budyzynski trat ein und lief den langen, geschlängelten Weg zur Haustür.
Regine von Hofstedt hatte was von einer (natürlich gealterten) Diva, fand Budzynski. Sie trug ein langes, schwarzes Kleid aus Samt, eine Pelzstola und an ihrem Hals glitzerte eine Kette aus weißen Edelsteinen.
Budzynski hatte nicht sehr viel Zeit sie zu bewundern.„Kommen Sie doch rein!“
Sie drückte kurz zur Begrüßung seine Hand und führte ihn dann ins Wohnzimmer. Und dann wusste Budzynski, wovor sein Kollege Heiner ihn gewarnt hatte. Regine von Hofstedt verstand es ihre Mitmenschen zuzulabern. „Sie wissen wahrscheinlich gar nicht wie froh ich bin, dass sie gekommen sind! Ich bin ja so aufgeregt. Wissen Sie, normalerweise hab ich ja nie was mit der Polizei zu tun. Aber diesmal, wissen Sie, ist es wirklich wichtig, dass Sie kommen! Wenn ich womöglich etwas Wichtiges beobachtet habe..“ Budzynski lächelte nur etwas gequält und nickte zustimmend. „Immer schön ruhig bleiben!“, dachte er sich. Zu seiner Überraschung unterbrach Regine von Hofstedt kurz ihren Redefluss: „Ach, wie unhöflich von mir! Ich hab Ihnen ja noch nicht einmal etwas zu Trinken angeboten!“ Sie stand auf und öffnete eine Glasvitrine aus Mahagoniholz. Dabei murmelte sie leise vor sich hin: „Regine, Regine..wo sind deine guten Manieren?“ Sie drehte sich um. „Einen Gin oder Obstler vielleicht?“ Als Budzynski nicht reagierte, sagte sie etwas enttäuscht: „Ich hab natürlich auch Tee oder Kaffee, wenn Sie das lieber möchten!“ Budzynski wurde langsam ungeduldig, wollte mit dem Fragen beginnen. Er sagte etwas gereizt: „Ach, geben Sie mir doch einfach Kaffee!“ Regine von Hofstedt setzte sich hastig auf einen braunen Ledersessel und goß ihm Kaffee ein. „Entschuldigen Sie, ich wollte Sie zu irgendetwas drängen. Wissen Sie, ich bekomme so selten Besuch und da dachte ich, ein kleines Schnäpschen…“ Budzynski unterbrach Sie mitten im Satz: „Könnte ich jetzt bitte mit der Befragung beginnen?“ Regine von Hofstedt lächelte entschuldigend: „Selbstverständlich“ „Gut. Aus welchem Grund haben Sie uns angerufen?“
Frau von Hofstedt lehnte sich in ihrem Ledersessel zurück und schlug ihre Beine übereinander. „Ich habe Sie in erster Linie angerufen, weil ich schon seit über 25 Jahren Mitglied des Golfclubs bin. Bei uns ist das Familientradition, wissen Sie. Schon mein Großvater ging auf diesen Golfplatz. Nun ja, ich kenne also so gut wie jeden auf diesem Golfplatz. Ich bin vielleicht sogar das älteste Mitglied. Somit kann ich Ihnen sicher in irgendeiner Art und Weise bei den Ermittlungen weiterhelfen.“ Budzynski nippte an seinem Kaffee. „Gut, kommen wir zu den beiden Mordfällen. Haben Sie etwas Wichtiges im Bezug der beiden Morde beobachtet?“
Regine von Hofstedt legte ihre Stirn in nachdenkliche Falten. „Am Abend als Harry Peters, ein sehr guter Golfspieler übrigens, ermordet wurde, war ich auch noch auf dem Gelände. Ich habe Harry gesucht. Er hätte am folgenden Tag nämlich noch ein wichtiges Turnier gehabt. Ich wollte ihm etwas Mut machen. Ich kannte ihn gut, ich wusste, dass er am Abschlagfeld munter noch ein paar Bälle einputten würde. Um seine Nerven zu beruhigen. Andere brauchten Alkohol, er brauchte das Golfspielen.“ Sie blickte Peter Budzynski an. Budzynski spürte, dass das was sie jetzt erzählen wollte, nicht leicht für sie war. Sie stand auf, stützte sich mit den Händen am Fensterbrett ab und blickte hinaus in den Garten. „Ja, ich machte mich also auf den Weg zum Abschlagfeld. Doch ich…ich kam zu spät. Harry war schon tot. Ich hörte…“ Regine von Hofstedts Atem beschleunigte sich. „Ich hörte nur noch die Schritte des Mörders..wie sie schließlich verhallten. Ich war unfähig mich zu rühren. Ich sah aber noch eines..ein seltsames Detail, das Ihnen wahrscheinlich nicht weiterhelfen wird…!“ Budzynski versuchte mit ruhiger Stimme zu sprechen. Innerlich war er aufgewühlt. Regine von Hofstedt war die Erste, die überhaupt irgendetwas beobachtet hatte! „Jedes noch so kleine Detail kann uns in der Ermittlung weiterhelfen!“ „Wenn Sie meinen…ich sah, dass der Mörder karierte Golferhosen und braune, fürs Golfspielen völlig unpassende Stiefel trug. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum mir das nicht aus dem Kopf geht. Weil es völlig unüblich auf einem Golfplatz ist, Stiefel zu tragen! Es ist vielmehr ein Fauxpas.“ Regine von Hofstedt drehte sich wieder um. „Es gibt aber noch etwas Anderes, was ich Ihnen erzählen wollte. Es klingt verrückt, aber seit diesem Tag fühle ich mich nicht mehr sicher. Ich hab solche Angst, dass der Mörder mich gesehen hat..und vielleicht das Gleiche tun wird wie mit Harry…“ Sie verstummte, starrte aus dem Fenster, begann plötzlich am ganzen Körper zu zittern. „Da..!“, brachte sie mühsam mit zittriger und aufgeregter Stimme hervor, „da…da ist er wieder!!! Er beobachtet mich! Er will mich töten!“
Fortsetzung folgt…
Tags:Krimi, Kurzgeschichte