Mord auf dem Golfplatz (Teil 3)

Polizeipräsidium. Es geht auf 22 Uhr zu. Alle Beamten sind schon gegangen. Nur noch eine Schreibtischlampe brennt. Peter Budzynski, führender Polizeibeamter und Kommissar der Mordkommission, sitzt zigarrenrauchend an seinem Schreibtisch. Er hat heute Nachtschicht. Er seufzt beim Anblick des Zifferblattes seiner Armbanduhr. „Noch 3 Stunden!“, murmelt er mürrisch. „3 Stunden, in denen ich mich durch diese endlose Akte über diesen Serienmörder durcharbeiten muss. Ich bin ja nicht mal jetzt bis zur Hälfte durchgekommen!“
Er nimmt einen kräftigen Zug der kubanischen Zigarre, die er sich eben angezündet hat. Jaja…sein Kollege Schleicher hatte es gut. Der ließ sich jetzt in Kuba die Sonne auf den Bauch scheinen. Die Zigarren, die er gerade rauchte, hatte er ihm vor wenigen Tagen zugeschickt. „Schleicher nippt wahrscheinlich gerade an einem Cocktail in der Strandbar, während ich….!“ Peter Budzynski konnte seine trüben Gedanken nicht mehr zuende führen. Das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte. „Budzynski, Mordkommision Berlin, was gibt’s?“ Heiner, ein noch relativ junger Polizeibeamter, meldete sich. Er klang sehr aufgeregt. Budzynski hörte ihm gespannt zu. Ein Mord war passiert. Auf einem Golfplatz mitten in Berlin. Nach 3 Minuten war klar, was zu tun war. „Ich komme sofort“, sagte Budzynski. Wenige Munuten später saß er in seinem Auto und war auf dem Weg zum Tatort.
Heiner und insgesamt noch 7 weitere Beamte erwarteten ihn schon. „Hey, Chef!“, begrüßten sie ihn. Budzynski erwiderte ihre Begrüßung mit nur wenig Enthusiasmus. „Kann ich ‚nen Kaffee haben? Das ist das, was ich jetzt wohl erstmal brauche.“
Während er an seinem Kaffee nippte, erzählten ihm seinen Kollegen von dem Mordfall. Es handle sich um eine junge Frau, die vorhin von einem Ehepaar ermordet aufgefunden worden sei. Ihr Name sei Julia Hoffmann. Das sei schon von mehreren Mitgliedern des Golfclubs bestätigt worden. Sie war eindeutig identifiziert worden.
„Und, wie steht es mit dem Mordumständen? Wie ist sie getötet worden?“, fragte Budzynki interessiert. „Oh, da frag mal unsern Herrn Gerichtsmediziner!“. Heiner deutete mit einem Grinsen auf Silbermann, der wenige Meter von ihnen entfernt stand. Während er auf ihn deutete, hatte auch Silbermann sie bemerkt. „Ah, Herr Kommissar! Gut, dass sie da sind. Sie wollen sicher alles weitere über den Mord erfahren. Kommen Sie mit!“ Budzynski folgte ihm durch das nasse Gras des Golfplatzes. Er fröstelte bei dem Gedanken an die Leiche, die ihn erwartete. Auch wenn er schon über 20 Jahre bei der Polizei arbeitete, verspürte er bei jedem Mord immer noch ein ungutes Gefühl, wenn er zum Tatort mit der Leiche geführt wurde.
Sie waren angekommen. Wie üblich, war die Leiche schon in eine weiße Plastikhülle eingepackt worden. „Okay, ich warne sie! Es ist kein schöner Anblick!“, sagte Silbermann bevor er die Folie öffnete. „Ach, wissen Sie“, sagte Budzynski, „ich habe schon so viele Leichen in meinem Leben gesehen..!“. Doch er wusste selbst,dass er sich gerade selbst rechtfertigte. Ich wollte vor seinen Kollegen keine Schwäche eingestehen. Er schluckte das ungute Gefühl herunter.
„Sehen Sie“, sagte Silbermann, während er auf den Hals der Toten deutete. „Der Hals weist deutliche Würgespuren auf. Der Mörder muss ziemlich kräftig gewesen sein. Wenn man also nach den Abdrücken geht, kann man auf jeden Fall davon ausgehen, dass es ein kräftiger Mann war. Der Tod durch Erwürgen war ziemlich sicher die Todesursache. Aber ich werde die Tote natürlich trotzdem nochmal obduzieren.“ Damit schloss er seine Erklärungen. Budzynski bedankte sich und machte sich auf den Weg zurück zu seinen Kollegen. Er hatte gerade ein paar Schritte gemacht, als ihn Silbermann nochmal zurückrief. „Oh, entschuldigen Sie! Eines habe ich ganz vergessen. Direkt neben der Leiche wurde noch ein Zettel gefunden. Sie können ihn sich ja nochmal selbst anschauen. Vielleicht ist er ja für die Ermittlungen wichtig!“ Er reichte ihm einen zerknitterten Zettel. „Danke!“ sagte Budzynski gedankenverloren und entfaltete den Zettel während er lief. „‘Auch Erfolg wird bestraft. Die Strafe liegt darin, dass man mit Leuten zusammenkommt, die man früher meiden durfte‘. John Updike“, las er laut vor. „Hm..höchst seltsam!“ murmelte er verwirrt. Sollte das ein Hinweis auf das Mordmotiv sein? Budzynski las den Zettel immer und immer wieder. Konnte sich aber keinen Reim bilden.
Schließlich war er wieder auf dem anderen Ende des Golfplatzes angekommen. Er wedelte triumphierend mit dem Zettel. „Na, hat euch Silbermann den hier auch schon gezeigt?“ „Ja, er hat mir davon erzählt“, sagte ein Beamter, „Höchst seltsam! Aber immerhin passt das mit der ersten Leiche zusammen!“ „Mit der ersten Leiche?“, sagte Budzynski misstrauisch. „Es gibt noch eine weitere Leiche?“ „Ja..!“, sagte der Beamte, „ein gewisser Harry Peters wurde vor 2 Wochen hier auf dem Golfplatz ermordet. Allerdings wurde er erschlagen.“ Budzynski schnaufte hörbar. „Was???“ platzte er heraus. Seine Wut steigerte sich. „Und, das erfahre ich erst jetzt?“ Die letzten Worte schrie er regelrecht raus. „Das kann doch nicht wahr sein!!!“ „Chef, beruhigen Sie sich doch bitte!“ „Ich soll mich beruhigen??“ zischte Budzynski und schimpfte auf die umstehenden Beamten ein. Nachdem er etwas Dampf abgelassen hatte, beruhigte er sich wieder allmählich. Die umstehenden Beamten waren eingeschüchtert. Budzynsky war erschöpft. Mit matter Stimme sagte er: „Aber gut. Fahren Sie fort!“. Der Beamte, der mit dem Bericht begonnen hatte, reagierte nur zögerlich. „Machen Sie schon!“ „Nagut, es lässt sich schließen, dass der selbe Mörder zweimal zugeschlagen hat. Schließlich wurde auch bei unserem ersten Toten viel Kraft und Brutalität aufgewendet.“ Er zögerte, seufzte und mit einem unsicheren Blickt auf Budzynski fuhr er fort: „Und noch etwas haben beide Mordfälle gemeinsam. An beiden Tatorten wurden neben der Leiche Zettel mit einem Spruch, einer Art Zitat eines berühmten Intellektuellen gefunden. Bei der ersten Leiche etwas von Tolstoi, bei der zweiten Leiche etwas von John Updike. Wenn sie wissen, was ich meine..“ „Natürlich“, Budzynski hatte seine Wut wieder vergessen, so gebannt war er von den Erkenntnissen, die sich jetzt auftaten. „Kann ich den ersten Zettel mal sehen?“ Der Beamte nickte und kam wenige Minuten später zurück. „Hier“, sagte er und lächelte. „Herrschen heißt, Gewalt ausüben; Gewalt ausüben heißt, das tun,was der, an dem Gewalt ausgeübt wird, nicht will, und was der, der Gewalt ausübt, sich selber sicherlich nicht wünscht: Folglich heißt herrschen: einem anderen das antun, was wir uns selbst nicht angetan wissen wollen.“, las Budzynski laut vor. „Wieder mal hoch philosophisch! Unser Mörder ist intellektuell. Keine Frage. Und sehr literaturinteressiert“ Auf einmal überkam ihn eine große Müdigkeit. „Ich schlage vor, wir reden morgen weiter über diese Nachrichten, die der Mörder uns hinterlässt. Ich denke, wir machen für heute Schluss!“
Gegen diesen Vorschlag hatte niemand etwas einzuwenden, so hatten doch alle heute einen langen, anstrengenden Arbeitstag gehabt.

Fortsetzung folgt…

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