Pfirsich Melba

Samstagvormittag. Die Sonne schien und das gute Wetter lockte Leute aus der ganzen Stadt zum großen Marktplatz. Marie und ihr Freund Nico waren unter ihnen. 300 Euro war noch in Maries Portmonnee. Sie war gerade bei der Bank gewesen, um ihr Monatsgehalt als Kellnerin in einer Berliner Kneipe abzuheben. Nun war sie dabei, Teile dieses Geldes auszugeben. „Ich muss mir doch auch mal was gönnen!“, hatte sie zu ihrem Freund gesagt, als dieser beim Anblick ihres an einer der Marktstände gekauften Schals aufseufzte. „Ja, schon. Aber du weißt doch..wir wollen bald renovieren..und dazu brauch man Geld!“
„Gefällt er dir denn?“ hatte Marie gesagt, um vom Thema abzulenken. Sie schwenkte den rot-orange gestreiften Schal in ihrer Hand. Geld, das war immer ein Streitthema bei ihnen. Und an diesem schönen Samstag wollte sie nicht streiten. „Natürlich, mein Schatz!“, sagte Nico mit Nachdruck und umarmte seine Freundin. Auch er wollte keinen Streit. „Na,komm. Lass uns noch ein wenig über den Markt gehen. Vielleicht finden wir noch was Leckeres, was wir zum Mittag essen können!“, schlug er vor.
Eine halbe Stunde später häuften sich regelrecht die Einkäufe in ihren Einkaufstaschen. Frische Pfirsiche, ein Kräutertee aus Indien, Baguettebrote, Bergkäse, italienische Spinatravioli, ein guter französischer Wein…
„Mh..das wird ein Festessen nachher!“, schwärmte Marie und lächelte Nico an. „Hm..ja. Aber irgendwie fehlt noch was. Ein Nachtisch!“. Er grinste. Dieser Perfektionist! Sie lachte. „Natürlich! Aber was?“ „Hmm..wie wärs mit den Himbeeren da vorne. Wir haben doch leckere Pfirsiche. Da kann ich uns Pfirsich Melba zubereiten.“ „Mach mal, mein Chefkoch!“, sagte Marie und drückte ihrem Freund einen Kuss auf die Wange. Und da war Nico auch schon in der Menge verschwunden, um Himbeeren zu kaufen. Marie nutzte die Wartezeit, um sich ein bisschen umzuschauen. Sie seufzte vor Glück. Dieser Markt war wirklich toll. So voller Leben.
„Hallo, schöne Frau“, ertönte plötzlich eine Stimme dicht hinter ihr. Sie drehte sich um. Ein braungebrannter Mann Anfang 30 mit glänzenden Haaren grinste sie an. Er deutete auf den Boden. „Ich glaube, Sie haben etwas verloren!“ Ihr Schal! Sie hatte gar nicht gemerkt, wie sie ihn verloren hatte. Marie setzte die Einkaufstaschen und die Handtasche ab und bückte sich. „Das es noch solche netten Menschen gibt!“, dachte sie bei sich. Sie griff nach dem Schal. Dann ging alles blitzschnell. Der Mann schnappte sich ihre Taschen und rannte los. „Hey!!!“ Maries schrille Stimme schallte über den Marktplatz. “Stehenbleiben!!“ Niemand schien ihre Hilferufe zu hören. Dann war der Mann in der Menge verschwunden. Mitsamt ihren Einkäufen und dem Gehalt, das sie vorhin angehoben hatte! Sie fluchte. „Mein Ausweis, mein Portmonnee, mein Handy! Das war doch alles in meiner Handtasche! Alles weg!“
„Was ist denn los?“ Nico erschien und nahm Marie in den Arm. Sie erzählte von dem Vorfall. „Allerdings, schöne Scheiße.“, sagte er. „Was für ein Mistkerl!“ Marie nickte stumm. Sie war traurig, wütend und enttäuscht zugleich. „Aber komm“, sagte Nico nach einer Weile, „was bringt es, wenn wir noch ewig hier stehen und uns ärgern. Lass uns nach Hause gehen!“ Er schwenkte die Schale mit den Himbeeren in seiner Hand. „Dann mach ich uns ein ordentliches Himbeersorbet!“. Marie konnte nicht anders. Sie musste trotz allem, was passiert war, lächeln. „Na, okay. Du hast recht. Lass uns gehen!“, sagte sie.

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