Die Butterfly-Gang

Die Neonröhren auf dem verlassenen U-Bahnhof gaben ein kaltes Licht. Es war 3.00 Uhr morgens. Daniel rannte hektisch über den verlassenen Bahnsteig.
Diese Typen! Sie waren ihm schon in der ranzigen Disco, in der er vorhin war, aufgefallen. Sie hatten die ganze Zeit an der Bar gestanden, ein Bier nach dem anderen in sich reingekippt und immer wieder komische Blicke zu ihm und seinen Freunden geworfen. Daniel hatte sich zuerst nichts dabei gedacht. Bis einer von ihnen, ein muskulöser Kerl mit kahlrasierter Glatze versucht hatte, seine Freundin Julia anzumachen. Er hatte gefragt, ob sie nicht Lust hätte, mit ihm in eine andere Bar mitzukommen. Völlig angetrunken wie er war, hatte er ihre ablehnende Antwort gar nicht akzeptiert und sie stattdessen am Arm festgehalten. Julia hatte verzweifelt versucht sich aus seiner Umklammerung zu befreien.
Daniel war zu ihr hingestürzt. Er war zwar nicht sehr muskulös, aber mit denTypen würde er schon klar kommen. Er war völlig aufgebracht. „Lass sie los, du Schwein!“, brüllte er in seiner Verzweiflung und gab ihm ein paar heftige Hiebe in den Bauch. Zu seiner Erstaunung war der Glatzentyp nicht in der Lage sich zu wehren und sackte auf den Boden. Der Inhaber der Diskothek hatte die Jungsgruppe schließlich vor die Tür gesetzt. Im Rausgehen hatte einer der Typen, er schien der Anführer der Gang zu sein, Daniel im bedrohlichen Ton zugemurmelt: „Du willst Stress? Kannst du haben! Und zwar nachher!“. Ein Butterfly-Messer blitzte in seiner Hand.
Nach diesem Vorfall war die Stimmung der Clique getrübt. Keiner hatte mehr so Recht Lust, auf die Tanzfläche zu gehen und Spaß zu haben. Daniel hatte noch einen Bloody Mary gekippt und sich schließlich von seinen Freunden verabschiedet.
Auf dem Weg zur nächsten U-Bahnstation war ihm wieder die Gang eingefallen. Die Drohung. War sie ernst gemeint? „Sicher nicht.“, dachte er, um seine Nerven zu beruhigen.
An der nächsten Straßenecke standen sechs dunkle Gestalten. Bedrohlich. Beim Näherkommen erkannte er die schmierigen Typen aus der Disco wieder. Scheiße. Er versuchte die Straßenseite zu wechseln. Doch zu spät. „Na, wo willst du denn hin, Kleiner? Hast du noch was Wichtiges vor?“, sagte einer von ihnen und der Rest der Gruppe lachte. Die Butterfly-Messer waren gezogen. Daniels Herz schlug bis zum Hals. Er wusste, er hatte keine Chance. Einer gegen sechs. Da war es für ihn unmöglich als Sieger hervorzugehen. Die Gang trat bedrohlich auf ihn zu. Sie umkreisten ihn.
Er hatte einen Gedanken. Da vorne war doch der U-Bahnhof! Wenn er Glück hatte, würde er sich noch retten können. Er rannte los. So schnell wie wohl noch nie in seinem Leben.
Der Bahnsteig war lang. Und menschenleer. Wenn sie ihn zu fassen bekamen…niemand würde ihm helfen. Die Gang kam immer näher. „Bleib stehn, du Hurensohn!“, brüllten sie.
Eine U-Bahn fuhr ein. Daniel war so erleichtert wie schon lange nicht mehr. Bloß rein in eine U-Bahn! Er öffnete eine der Türen und kauerte sich sofort hinter einem der U-Bahnsitze zusammen. Wenn er Glück hatte, würden die U-Bahntüren schließen, bevor sie ihn entdeckten. Er hörte noch ihr Fluchen. Dann ertönte das Signal der Türen und die U-Bahn fuhr los. Er war unbeschadet davon gekommen. Doch für wie lange?

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