Schnäppchen

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Sie waren das erste Mal in Berlin. Berlin, hatten sie gehört, sei die größte Shoppingmetropole Deutschlands. Ja, hier konnte man noch Schnäppchen machen.
Heute stand eine Shopping-Tour auf dem Programm. Sie waren hektisch, gestresst und wollten alle das Gleiche an diesem Tag: ein ordentliches Schnäppchen machen! Sie hasteten von einem Kleiderständer zum nächsten, von einem Kaufhaus ins nächste. “Zu teuer!”, war ihr häufigster Kommentar. “Es ist doch schon Sommerschlussverkauf, da muss doch auch viel reduziert sein!”, sagte eine von ihnen und schüttelte missbilligend den Kopf. Die anderen stimmten ihr zu. “Wir müssen eben immer weitersuchen!” sagte eine. Eine andere fügte bedächtig hinzu: “Dann kommen wir auch zu den von uns erhofften Schnäppchen.” So hasteten sie immer weiter durch die nach und nach leerer werdende Einkaufsstraße. Von einem Geschäft zum nächsten Geschäft. Und fanden doch nicht, was sie suchten.
Es wurde Abend. Viele Läden, gefüllt mit hochwertigen Waren, ließen ihre silbernen Rollläden hinunter. Aus so manch einem Geschäft wurden sie mit einer höflichen Bitte hinausgeschickt. Die Enttäuschung stieg bei allen. So viele Stunden. So viele Geschäfte. Und nicht das erhoffte Schnäppchen. Einige von ihnen ließen traurig den Kopf hängen. Sie wollten sich gerade betrübt in Richtung U-Bahn begeben, als eine von ihnen etwas bemerkte. “Ohh, schaut doch mal!”, sagte sie in die bedrückte Stimmung hinein. “Da drüben!” Einige von ihnen riskierten einen neugierigen Blick. Ja! Tatsächlich! “Sonderverkauf! Super günstige Knallerpreise!” prangte es im Schaufenster eines Geschäftes. “Nur für kurze Zeit”, las eine von ihnen laut vor und fügte dann aufgeregt hinzu. “Mensch, Leute! Da müssen wir hin! Und zwar schnell!” Vorfreudig stürmten sie auf das Geschäft zu. Welch Einkaufsparadies sie erwarten würde! Tausende Artikel! Und alles zu Schnäppchenpreisen! Was sie alles nach Hause mitnehmen konnten. Die anderen würden staunen. Die Vorfreude war ins Unermessliche gestiegen.
Sie zerrten regelrecht an der gläsernen Eingangstür. Zuerst freudig, schließlich verzweifelt. Ihr Bemühen war vergeblich. Die Eingangstür zum “Schnäppchenparadies” war verschlossen.

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