Call a pizza

“Zwei Pizza Funghi, ein Fetateller..das macht dann 20,90 Euro!”, sagte der Pizzabote in gebrochenem Deutsch und drückte Marc ein paar flache, noch warme Kartons in die Hand. Marc gab ihm hektisch 21 Euro, verabschiedete sich und schloss blitzartig die Wohnungstür. Scheiße. Er musste sich beeilen.
Es hätte alles so einfach sein können. Schon wochenlang hatten Rachel und er ein Treffen geplant. Rachel war eine schöne, sympathische und vor allem unglaublich geistreiche Studentin aus seinem Semester. Er hatte sie von Anfang an toll gefunden. Ja, gut…er war nicht sehr schlau vorgegangen. Er wollte sie beeindrucken. Genau aus diesem Grund hatte er wohl zu oft mit seinen Kochkünsten angegeben. Tja, nun hatte er den Salat! Vor etwa einer Dreiviertelstunde hatte Rachel angerufen und ihn gefragt, ob sie sich statt im Kino nicht bei ihm zuhause treffen könnten. Er könne doch so gut kochen. Die Wahrheit war: Marc konnte außer ein paar Nudeln mit Maggi-Sauce und ein paar Sandwiches überhaupt nichts kochen. Und damit konnte er Rachel wohl kaum beeindrucken.
Noch 12 Minuten. Immer noch gestresst holte Marc die lauwarmen Pizzen aus den Kartons. Den “Fetateller”, der in einer Plastikverpackung verpackt war, lud er auf einen anderen Teller um. In den Oliven und Schafskäsestückchen steckten kleine Fahnen mit den italienischen Landesfarben. Das sah doch gut aus! Marc war zufrieden. Zeit ins Bad zu gehen und sich ein bisschen zu stylen.
Es klingelte.
Marc rannte zur Tür und öffnete sie mit einem strahlenden Lächeln. Rachel sah auch heute wieder bezaubernd aus. Sie begrüßte ihn mit einem Küsschen rechts und links auf die Wange. Wie ein echter Gentleman half Marc ihr aus dem Mantel. Dann führte er sie in die Küche.
“Gute Arbeit!”, lobte er sich in Gedanken selbst. Romantisches Kerzenlicht, eine rote Rose in einer Vase und mitten auf dem Tisch die knusprigen Pizzen und der liebevoll hergerichtete Fetateller.
“Oh, du hast nicht übertrieben!” sagte Rachel nach den ersten paar Bissen. “Es schmeckt wirklich sehr gut!” Sie lächelte und steckte sich genüsslich einen Fetawürfel in den Mund.
Die nächsten Stunden verliefen unglaublich gut. Sie verstanden sich gut und lachten viel. Marc war siegessicher. Das mit Rachel konnte noch mehr werden.
Um kurz nach 10 jedoch sagte Rachel, dass sie jetzt gehen müsse. “Ich muss morgen früh raus!”, fügte sie entschuldigend hinzu.
“Schade”, dachte Marc enttäuscht, als er ihr auf der Diele in den Mantel half. Die Zeit des Abschieds war gekommen. Er hauchte ihr ein zärtliches “Wann sehen wir uns wieder?” ins Ohr. Dann wollte er sie umarmen. Doch Rachel wies seine Umarmung zurück.
Sie war längst nicht mehr so locker. Sie sah ihn mit einem starren Blick an. “Lass das!”, sagte sie kalt. “Mach dir keine Illusionen! Ich möchte dich vorerst nicht mehr sehn!” “Aber…warum?”, sagte er mit steigender Enttäuschung. “Weil..weil du ein verdammter Lügner bist!”, sagte sie aggressiv. Erst jetzt bemerkte Marc, dass ihre rechte Hand zu einer Faust verkrampft war. Nun zitterte ihre Hand. Langsam öffnete sie die Hand. In ihrer Handfläche lag, klein und zerknittert, eine der Fähnchen, die in den Fetastücken gesteckt hatte. Auf der Fahne war das Logo des Pizzaservices abgedruckt.
“Scheiße!” Marc konnte es sich nicht verkneifen laut loszufluchen. “Allerdings”, sagte Rachel abweisend. “Trotzdem, vielen Dank für die Pizza!” Damit verließ sie seine Wohnung und sein Leben.

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