Sightseeing-Tour im Bus 100

Mitten in den Pfingstferien steige ich Nähe der Friedrichstraße in den völlig überfüllten Bus 100 ein. Mit Mühe finde ich im Oberdeck noch einen letzen Sitzplatz. Um mich herum sitzen Touristen mit der typischen Ausrüstung: Stadtplan, Kamera und Reiseführer! „Ach, wäre ich wohl doch lieber mit der S-Bahn gefahren“, denke ich in Anbetracht dessen, dass es sehr stickig ist.
Doch da hab ich nicht mit dem Busfahrer gerechnet. Er ist ein wahres Multitalent, ja, ein wahrer Entertainer. Auf der Fahrt zu den bekannten Sehenswürdigkeiten gibt er immer wieder Insidertipps bekannt. Und das alles humorvoll verpackt in Wortspielereien. So nennt er die Goldelse „die schwerste Frau Berlins“. Ein paar Reihen hinter mir, lachen sich männliche Touristen noch Minuten später schlapp. Das Kanzleramt heißt nach ihm (und dem „typischen Berliner) die „Kanzlerwaschmaschine“ und das Haus der Kulturen der Welt „die schwangere Auster“. Und was ist mit den nordischen Botschaften? Diese nennt er, wegen ihres Aussehens mit den vielen Jalousien, liebevoll „die Schubladenkiste von Ikea“.
Diese Art von Humor kommt bei den Touristen an und durch den ganzen Bus schallt lautes Gelächter.
Gleichzeitig denkt der Busfahrer auch an die Sicherheit der Fahrgäste. Im Oberdeck stehen manche und er ermahnt sie mehrmals. Als die Touristen sich nun einfach zu dritt auf eine Busbank setzen, kommt eine weitere Ermahnung aus dem Lautsprecher: „Bitte nicht zu dritt auf eine Bank quetschen! Ich seh alles!!!“
Auch als Stadtführer macht er sich sehr gut. Er beschreibt den „Touris“ detailgenau, wo und wie sie am besten umsteigen müssen, um zu den begehrten Sehenswürdigkeiten zu kommen.
Mitten auf der Fahrt wundere ich mich fast ein bisschen, warum manche Touristen sich für teures Geld in einen Sightseeing-Bus setzen, wenn doch mit einem normalen Busticket (2€) dasselbe, und zwar auf humorvolle Weise geboen wird.
Als der Bus am Zoo hält, bin ich erstaunt darüber, was ich durch diese kurze Fahrt über Berlin erfahren habe. Von manchen Redewendungen, die der „typische Berliner“ angeblich dauernd sagt, habe selbst ich als Berlinerin noch nie was gehört.
Mit den Worten: „Und passen Sie bitte beim Aussteigen auf! Die Radfahrer achten bestimmt nicht auf Sie“ verabschiedet sich der Busfahrer und der ganze Bus applaudiert.

[missxyz]

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