Mit dem Besen durch den Cyberspace

Früher im tiefsten Mittelalter verständigten sich Hexen über Botschaften, die sie Raben umbanden oder trafen sich gleich persönlich mit anderen Hexen bei einem Hexentreffen, dem sogenannten Sabbat.
Heute tauschen sie sich in Internetforen aus. Über 800 registrierte Benutzer tummeln sich auf dem frei zugänglichen „Hexen-Brett“. Die Auswahl der Themenbereiche ist groß und für
Nicht-Hexen nicht immer gleich verständlich: Kelten, Druiden, Schamanen, Kabbalistische Magie oder Hexenrituale mischen sich. Was beschäftigt die Internet-Hexen? Sie diskutieren angeregt Probleme mit Liebeszaubern („Es hat einfach nicht geklappt!“), fragen sich wie man eine Ritualkerze selber herstellt oder suchen Hilfe bei einem Geldzauber.
So sorgt sich Minastirith im „Junghexenforum“ um ein Geldritual, das sie vor kurzem durchgeführt hat: „Habe ich mit meinem Ritual jemandem geschadet?“, fragt sie sich. Und erklärt: „Normalerweise würde ich nie um einen Geldgewinn bitten, aber meine finanzielle Lage sieht dermaßen schlecht aus, mein Dispo ist am Ende angekommen.“ Doch die anderen User des Hexen-Bretts sehen das Problem gelassener: „Nein, du hast niemandem geschadet. Das Universum hat genug Geld für alle, man muss es sich nur nehmen.“, sagt ein anderer Forennutzer.
Auch das Onlineshopping ist bei den Hexen angekommen. In zahlreichen Onlineshops wie „Ritualbedarf.de“ können Hexen das geeignete Zubehör für ihre Rituale finden. Neben Hexenkesseln aus Gusseisen für 39 € gibt es auch magische Duftsprays mit geheimnisvollen Namen wie „7 Drops of Love“ oder „Jinx Removing“ für jeweils um die 9 €. Auch magischer Schmuck ist keine Seltenheit: Ob nun Hexenpentagramme, Keltenkreuze oder Gothicanhänger, hier ist für jeden etwas dabei.
Beim Stöbern in Hexenshops werden mir immer wieder die großen Unterschieden von einzelnen Hexenrichtungen deutlich. Da gibt es Heilkräuter für Naturhexen, Voodoopuppen für die schwarzen Hexen und Tarotkarten für die weißen Hexen. Doch worin unterscheiden sich die einzelnen Richtungen?
Die weißen Hexen könnte man als harmlos und vielleicht auch brav bezeichnen. Ihre Grundregel ist es niemandem zu schaden. Sie hexen also nie bösartig. Wie Naturhexen sind sie sehr auf Heilverfahren mit Steinen, Kräutern und Meditation bedacht.
Schwarze Hexen hingegen scheuen sich nicht davor mal eben ihren Konkurrenten mit Fluchzaubern zu belegen oder Voodootechniken anzuwenden. Sie sind das genaue Gegenteil von weißen Hexen.
Doch egal, ob schwarz oder weiß, wie wird man eigentlich Hexe?
Auf dem Hexenportal „Hexengemeinde.de“ finde ich eine Antwort auf diese Frage. Ceridwen schreibt dazu: „Es gibt verschiedene Hexen oder Coven, die Ausbildungen anbieten. Für ein Entgelt kann man sich auch auf speziellen Hexenschulen ausbilden lassen.“
Doch unter den Hexen gibt es auch Skeptiker gegenüber von Hexenschulen. Kendra meint: „Absoluter Schwachsinn! Man bezahlt eine Menge Geld und bekommt ein Zertifikat, was überhaupt nichts aussagt. Ich bringe mir lieber alles selber bei!“
So fällt bei der Betrachtung von Hexenforen die verschiedenen Denkweisen über Magie auf. Kritiker glauben nicht an die Existenz von Magie, die nicht wissenschaftlich nachweisbar ist. Die Hexen im „Hexenbrett“ sind da anderer Meinung: „Egal, was andere denken! Wir glauben fest an die Existenz einer weiteren Macht, der Magie!“

[missxyz]

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