Der Diebstahl

eine Geschichte, aus zwei Perspektiven erzählt… lest selbst!

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Meine Hände zittern, als ich das kleine, runde, grünlich leuchtende Parfumflakon in meine Manteltasche gleiten lasse.
Nein, ich hatte das noch nie getan. Nein, ich war doch keine Diebin. Es überkam mich in dem Moment einfach. Dieses Gefühl des Nervenkitzels. Diese Neugierde und dieser Reiz sich zu fragen, wie es sich wohl anfühlen würde… ja, wie es sich anfühlen würde, etwas in einem Geschäft mitgehen zu lassen.
Nicht, dass das Parfum irgendwie besonders roch oder mir besonders gefiel, es ging gar nicht um den Gegenstand. Vielleicht die Flasche. Ja, die Form und Farbe gefiel mir schon gut. Aber wie gesagt, das war nicht der wahre Grund.
Meine schwitzigen Hände umfassen die Flasche. Nun aber schnell weg hier. Mit anfangs unsicherem, schließlich aber mit einem zielstrebigen Gang bewege ich mich Richtung Ausgang.
Es kam mir alles wie ein Film vor. War das real? Hatte ich mich tatsächlich gerade eines Diebstahl schuldig gemacht?
Ich versuche niemandem in die Augen zu sehen. Gleich bist du hier weg, denke ich. Mein Herz klopft wie schon lange nicht mehr.
Und dann plötzlich, eine kräftige Hand an meiner Schulter. Scheiße. Alles vorbei. Vorbei. Vorbei!.. hallt es durch meinen Kopf. „Lauf!“ mahne ich mich. Machen Sie jetzt bitte keine Umstände. Ich habe alles genau gesehen. Folgen Sie mir bitte unauffällig. Ich bin unfähig mich zu bewegen. Der Detektiv packt mich am Arm. Zögernd, mein Blick ist nach unten gerichtet, ich traue mich nicht ihm in die Augen zu sehen, folge ich ihm. Ich schäme mich fürchterlich. War es das wert?, sagt eine Stimme in meinem Kopf. Eine andere fügt hämisch hinzu: „Das hast du nun davon.“

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Sie war mir sofort aufgefallen. Wenn man schon so lange wie ich als Ladendetektiv arbeitet, weiß man einfach, wie sich jemand verhält, wenn er etwas klauen will. Ich weiß nicht. Vielleicht merke ich es an dem vorsichtigen Gang, an dieser gewissen Körpersprache. Bei diesem Mädel war’s nicht anders.
Sie war vielleicht Anfang 20, trug eine mit Nieten besetzte Jeans und eine auffällige Umhängetasche mit indischem Blumenaufdruck. Hört sich doch nicht besonders an, so sind doch in diesem Alter die meisten angezogen, werden Sie jetzt vielleicht sagen und damit haben Sie vielleicht auch Recht. Das war auch nicht der Punkt, weshalb sie mir auffiel. Es war so, dass sie an einem Regal mit den Neuheiten des Parfümsortiments stand. Sie schlurfte langsam durch den Gang. Als würde sie etwas suchen… Schließlich blieb sie vor einer grünlich schimmernden Flasche stehen. Der neue Duft von irgendsoeiner Popsängerin, meine Kollegin Gisela hatte neulich mit einer Verkäuferin darüber getratscht, aber ist ja auch egal. Interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht die Bohne. Jedenfalls betrachtete sie die Flasche ziemlich lange. Das war’s, was mich misstrauisch machte. Täglich nehmen viele junge Frauen die Flaschen in die Hand, spritzen sich etwas aufs Handgelenk oder nehmen einen Teststreifen. Aber die hier? Hielt die Flasche nur in der Hand. Und es dauerte nicht lange und es traf das ein, was ich geahnt hatte. Sie steckte die Flasche in ihre Tasche. Der größte Fehler bei solchen Ladendieben ist es, sie sofort zu stellen. Wie oft ist es mir schon passiert, dass der Dieb in Panik losgerannt ist, irgendwelche Regale gestreift hat, viele Flaschen dabei zu Bruch gingen. Die Sauerei aus tausend verschieden Düften musste nachher wieder aufgewischt werden. Nein, bei Dieben wie diesen, musste man vorsichtig sein. Diese hier wirkte nicht routiniert. Bei ihr war es vielleicht noch das erste Mal. Diebe von diesem Typ musste man in falsche Sicherheit wiegen. Sie sollten sich schon so sicher fühlen, dass sie wenn man sie stellte, unfähig waren wegzurennen. So wars auch mit diesem Mädel. Dieser selbstsichere Gang Richtung Ausgang, nicht zu fassen. Es war ein Leichtes sie zu stellen. Völlige Routine für mich. Ein kräftiger Griff und sie war nach meinen Aussprüchen, die ich jedesmal sagte, bereit mir zu folgen. Eine mittlere Geldstrafe wird’s für sie wohl geben. Eigentlich schade für die Kleine. Meine Menschenkenntnis sagt mir, dass diese Geldstrafe sicher kein leichtes für sie ist. Hätte sie wohl doch besser ihr Geld in die Duftmarke der Popqueen investiert!

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