Einmal Schwarzfahren und nie wieder…

Alles hat ganz harmlos angefangen: Es war ein ganz normaler Donnerstag, als eine kleine Blonde mit ihrem “Kumpel” unbemerkt in die U-Bahn einstieg. Zwischen Zoologischer Garten und Wittenbergplatz kam dann dann der Schock: “Die Fahrkarten dann bitte!” sagten sie laut und liefen abwartend durch den Gang.
“Was völlig Normales”, dachte ich, “ich hab ja zum Glück meine Schülerkarte”. Doch da hatte ich falsch gedacht. Ich, völlig ahnungslos, zeigte mein Schülerticket vor, merkte aber sofort, dass die Kontrolleure mein Ticket irgendwie kritisch beäugten. “Da is aber `ne falsche Marke drauf. Mal aussteigen, bitte!”
Es stellte sich heraus, dass ich auf meine Schülerkarte tatsächlich statt einer Schülermarke eine Geschwistermarke geklebt hatte. “Is nicht so schlimm. Du brauchst nur bei dieser Nummer da anzurufen, dann ist alles wieder okay”, sagte die Kontrolleurin und drückte mir einen Zettel, den die BVG-Leute im Beamtendeutsch “Zahlungsaufforderung” nennen, in die Hand.
“Noch mal Glück gehabt!”, denke ich und rufe am nächsten Tag bei der gegeben Nummer an. Doch wieder Pech: “Da musst du noch mal hierher zu uns kommen. Das können wir über das Telefon nicht besprechen” heißt es bei der BVG Service Hotline.
Gesagt, getan. Ein paar Tage später kommt mir der Gedanke, dass ich doch einfach zu einem BVG Service Punkt gehen, mir eine neue Geschwisterkarten-Trägerkarte geben lassen könnte. Dann würden sich alle Problemchen von selbst lösen…
Dachte ich. Als ich tatsächlich bei einem Service Punkt nach einer neuen Trägerkarte frage, werde ich auch hier abgewimmelt. “Nein, das geht nicht. Du müsstest die Wertmarken umtauschen gehen. Vielleicht können die am Kleistpark etwas für dich tun.”, antwortet mir ein relativ junger und ausnahmsweise auch freundlicher BVG - Beamter.
Also, ab geht’s zum berüchtigten Kleistpark, wo alle Schwarzfahrer hinkommen!
Nachdem ich das etwas versteckte Gebäude der BVG gefunden habe, laufe ich durch einen kleinen Innenhof. “Zur Schalterhalle” heißt es da auf einem kleinem Schild an der Wand. “Da könnte auch gut ‚Schwarzfahrer hier entlang’ stehen”, denke ich gerade, als ich auch schon im Vorraum an gelangt bin.
Ich möchte gerade schon zielstrebig die “Schwarzfahrerhalle” betreten, werde aber durch eine kleine, meckernde BVG - Beamtin, Typ Extrem-unfreundlich, am Betreten gehindert: “Hey du! Zeig mal deine Zahlungsaufforderung her. Ich weiß ja, dass ich klein bin, brauchst trotzdem nicht zu versuchen, an mir vorbei zu laufen!” Leicht verwirrt murmel ich eine Entschuldigung und krame den gewünschten Zettel hervor. “Ach ja, und da drüben musste ‘ne Nummer ziehen”, fährt die kleine, unfreundliche Beamtin fort.
Ich bin immer noch verwundert, als ich die Schalterhalle betrete und eine Nummer ziehe. Wie geht denn das hier zu? Waren das etwa gerade die “BVG - Türsteher”, vor denen mich mein Bruder schon gewarnt hat? Warum verlangen sie diese “Zahlungsaufforderung”? Damit sich ein Nicht-Schwarzfahrer nicht einschleichen kann?
Während ich so nachdenke, ertönt auch schon ein Gong und meine Wartenummer wird auf dem Display angezeigt.
Ein männlicher BVG Beamter erwartet mich am Schalter, möchte mir aber vorerst gar nicht zuhören. “Warte mal kurz, muss noch kurz was aus den Akten raussuchen”, sagt er, kommt nach einer Weile wieder und tippt irgendwas in seinen Computer. Erst dann komm ich dazu zu erklären, was los ist. Als ich mit meinen Erklärungen fertig bin, meint auch er, dass ich noch zum Alexanderplatz ins Abobüro und meine Wertmarken umtauschen muss.
Enttäuscht fahre ich nach Hause. Warum muss die BVG nur so kompliziert sein?
Am nächsten Tag mache ich mich also auf zum Abobüro der BVG am Alexanderplatz. Hier erlebe ich mein erstes Erfolgserlebnis für heute: Eine BVG Beamtin mit manikürten Nägeln gesteht den Fehler der BVG ein, da diese mir ja einfach die falschen Wertmarken zugeschickt hatte. Schließlich tauscht sie auch gleich ohne Probleme meine Wertmarken gegen die richtigen aus. “Juhuu! Endlich erledigt!”, denke ich gerade, als meine Freude auch schon wieder einen Dämpfer bekommt. Sie sagt, dass ich auf jeden Fall nochmal zum Kleistpark müsse, um der BVG zu beweisen, dass ich jetzt eine gültige Karte habe. Schon wieder? Aber immerhin, tröstet sie mich, müsse ich dann keine Strafe von 40 Euro zahlen.
Mit leichtem Widerwillen gehe ich am selben Tag schließlich doch noch einmal zur “Schwarzfahrerhalle”.
Auch diesmal begrüßen mich die unglaublich netten “BVG-Türsteher” am Eingang. Diesmal wird mir besonders deutlich, wie sehr ihnen ihr Job Spaß machen muss. So rufen mir zwei BVG-Beamtinnen im Chor ein “Ihre Zahlungsaufforderung, bitte!” zu. Ich werfe den Beamtinnen einen wissenden Blick zu und reichen ihnen mein Papierchen. Dann ziehe ich mir eine Wartenummer. Unterdessen bin ich ja nicht mehr so ahnungslos und kenne mich aus in der “Szene”.
Als ich nach wenigen Minuten endlich aufgerufen werde, zeige ich dem Beamten am Schalter meine Schülerkarte mit der richtigen Wertmarke. Der Beamte nickt einmal kurz, bittet mich um meine Zahlungsaufforderung und reißt sie mit einem energischen Ratsch durch. “Diese Sache wäre dann erledigt. Du brauchst nichts zu bezahlen.” sagt er mit rauher Simme und winkt ab, als ich noch einmal ungläubig nachfrage.
Mit bester Laune gehe ich an den unfreundlichen Personen, auch BVG - Beamten genannt, zum Ausgang. Am liebsten würde ich ihnen noch “bis zum nächsten Mal” hinterherrufen, lasse es aber doch lieber bleiben. Stattdessen winke ich nur kurz und verlasse das Gelände.
Mensch, BVG! Warum ging das nur so schnell? Dank euch hab ich sogar eine kleine “Berlin-Weltreise” hinter mir. Ihr seid echt die Besten!!!

[missxyz]

aus: “OHnE Deutschland”

Tags:, ,

  • Both comments and trackbacks are currenlty open for this entry.
  • Trackback URI: http://www.missxyz.de/index.php/12/einmal-schwarzfahren-und-nie-wieder.html/trackback
  • Comments RSS 2.0

Leave a Reply