April 21st, 2007
Und tschüss! - Die Landflucht der Jugendlichen in Deutschland

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„Also, ich denke schon, dass ich nach dem Abi wahrscheinlich in eine Stadt ziehe, zwecks studieren.“, sagt Vroni. Sie wohnt in einem kleinen Dorf in Unterfranken. Vroni ist nur eine von vielen. Eine von vielen Jugendlichen in Deutschland, die so schnell es möglich ist, ihr Dorf verlassen und in eine Stadt ziehen möchten, um dort entweder zu studieren oder Arbeit zu finden.
Doch das ist ist nur einer von vielen Gründen. Natürlich lockt auch schon früher der Wunsch, mal abends noch wegzugehen, ins Kino oder in die Disco zu gehen. Viele Jugendliche ab 17 haben in Unterfranken einen Führerschein. Die öffentlichen Verkehrsmittel kann man auf dem Dorf auch schon schnell vergessen. „Um 23.30 Uhr kommt der letzte Zug nach Hause“, sagt Vroni. Selbst ein Kinobesuch wird da schwer. So macht hier fast jeder mit 17 den Führerschein, auch wenn bis zum 18. Geburtstag noch immer ein “namentlich benannter” Erwachsener, meist ein Elternteil, dabei sein muss. Mit 18 beginnt dann die Bewegungsfreiheit mit dem Auto für jeden Jugendlichen mit Führerschein.
Wer noch keinen Führerschein hat, bildet entweder Fahrgemeinschaften mit Freunden, die bereits einen Führerschein haben, oder teilt sich ein Taxi nach Hause.
Und wer dann später Arbeit sucht, verlässt häufig mitsamt Auto sein Heimatdorf, um in die Stadt zu ziehen.
Diese Entwicklung ist Demographen schon lange bekannt. Die Anzahl der 0-18-jährigen wird 2020 laut der Prognosen des Demographieprojekts „Wegweiser Demographischer Wandel“ in Städten und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern z.B in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf teilweise weniger als 14% geschrumpft sein. Das niedrigste Durchschnittsalter wird vor allem in Teilen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, vor allem in dicht besiedelten Gebieten wie z.B im Ruhrgebiet, liegen.
Örtliche Politiker versuchen es häufig mit mehr kulturellen Engagement, um die Jugend an ihr Dorf zu binden. Ein gutes Beispiel dafür wäre zum Beispiel ein Bürgermeister im niedersächsischen Dorf Tiftlingerode, der kurzerhand Kinderspielplätze renovieren und eine zusätzliche Grundschulklasse einrichten ließ, um sein Dorf für junge Familien mit Kindern weiterhin attraktiv zu machen. Er hat schon lange erkannt, dass nur Familien auf Dauer das Bestehen seines Dorfs sichern können.
In Madgeburg gibt es seit Neuestem die sogenannte „Heimatschachtel“. Diese soll, laut den Initiatoren, jungen Weggezogenen zwischen 18 und 30 mit „kleinen Geschenken aus Ostdeutschland und Informationsmaterial den Abschied beim Wegzug aus Magdeburg“ versüßen. Auf lange Sicht soll somit ein Heimatgefühl gefördert und somit langfristig Rückwanderung erreicht werden.
Dennoch können solche nettgemeinten Versuche oft nicht die überdurchschnittliche Abwanderung der 18-24-jährigen stoppen. Zu viel bietet die Stadt im Gegenzug, was Kultur, Bildungseinrichtungen und Arbeit anbelangt. Außerdem sollte man auch nicht vergessen, dass der demographische Wandel sich nicht nur aufgrund der Abwanderung der jüngeren Leute, sondern auch wegen der niedrigen Geburtenrate und der damit eingeleiteten Überalterung der Bevölkerung in Deutschland vollzieht.
Doch bei allen Nachteilen, die das Leben im Dorf bietet, es gibt auch einige Dinge, die auch Jugendliche daran schätzen: Die Nähe zur Natur und die Dorfgemeinschaft. „Ob joggen, lange Spaziergänge oder mit dem Fahrrad zum See zu fahren – ich bin froh, hier zu wohnen.“, sagt Miriam, 17 Jahre alt. Sie lebt am Rande des Müritz-Nationalparks in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wohnt schon das ganze Leben auf dem Dorf und wird vorerst eben dort wohnen bleiben. Auch Vroni würde vermutlich das Leben auf dem Land bei einem Wegzug in die Stadt vermissen: „Wenn ich nach dem Abi in eine Stadt ziehe, dann auf keinen Fall in eine Großstadt.“
[missxyz]
aus: “OHnE Landleben”
Ps: Noch eine interessante Grafik, die den geschätzten Altersdurchschnitt darstellt:
