Grenzen überschreiten: Vom Zehnmeterbrett springen – für die OHnE?

Alles fing mit einer Idee für die „OHnE Grenzen“ an. Ein paar Redakteure sollten hierbei in kurzen Texten von ihren bereits überschrittenen Grenzen berichten. Klar, ich hatte schon einige Grenzen in meinem Leben überschritten, aber Keine war spannend genug um über sie zu schreiben. Etwas Neues musste her. Ich überlegte nicht lange. Vom Zehnmeterbrett springen! Warum eigentlich nicht? Ich wollte es schon immer mal machen, es würde eine gute Erfahrungsgeschichte ergeben und für mich garantiert eine große Grenze darstellen! Dennoch irgendwas ließ mich zögern, dass ich meine Überlegung doch nicht sofort in die Tat umsetzen wollte. „Ach, ein ganz normales Phänomen“, dachte ich mir, „schließlich ist es wirklich nicht einfach seine Grenzen zu überschreiten. Und ich hab ja noch sooo viel Zeit bis zum Artikelabgabetermin!“
Es war ein sonniger Abend etwa eine Woche später. Ein perfekter Abend, um nochmal ins Schwimmbad zu gehen. Kurzentschlossen fuhr ich ins Schwimmbad. Es würde sicher nicht mehr so voll sein und ich könnte noch ein paar Runden schwimmen.
Ich wollte gerade das Schwimmbecken betreten, dann erinnerte ich mich: Der OHnE Artikel!!! Eigentlich müsste ich jetzt wirklich langsam mal vom Zehner springen! Bald müsste der Artikel fertig sein.
Ich schwamm ein paar Bahnen, blickte in Richtung der Sprungtürme. Auf dem Zehnmeterbrett stand schon ein eifriger Springer und machte Kopfstand. Dann sprang er kopfüber zehn Meter ins Sprungbecken. Wow! Nicht schlecht. Plötzlich war ich doch verunsichert. Ich wusste, dass ich mich selbst stark überwinden müsste von dort oben zu springen. Aber andererseits, wollte ich das nicht gerade? Ich wollte doch meine Grenzen für die OHnE überschreiten, oder nicht?
Während ich weiter schwamm, stellte ich mich oben auf dem Zehnmeterbrett vor. Wie würde ich mich dort oben fühlen?
Sicher wäre ich schon mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, die Treppen zum Sprungturm hochgelaufen. Beim 5-Meter-Brett hätte ich wahrscheinlich gestoppt, mich gefragt, ob ich denn wirklich nicht erstmal vom 5er oder vom 7 1/2er springen solle. Schließlich hatte ich bis jetzt tatsächlich nur einen Sprung vom 1er und vom 3er gewagt. Wahrscheinlich hätte ich aber gedacht: „Wenn schon, dann aber richtig! Die Leser wollen ja auch etwas Spannendes lesen!“ Mit diesem Gedanken im Kopf wäre ich mit einem stärker werdenden unguten Gefühl weiter hochgestiegen. Oben hätten mich die Zweifel schon fast vollständig eingeholt. Bei einem Blick nach ganz unten, hätte ich wahrscheinlich panisch reagiert. Gedanken wie: „Bist du verrückt? Geh sofort wieder nach unten!“, „Ohne Sprung kein spannender Artikel! Also, mach schon!“ oder „Mein Bruder hat gemeint, dass es gar nicht so schlimm ist“ wären durch meinen Kopf geschwirrt.
Das alles stellte ich mir also vor, während ich weiter meine Bahnen im Schwimmbecken schwamm. Nicht mehr lange und das Schwimmbad würde schließen. Ich überlegte immer noch, ob ich heute wohl meine Grenze, vom Zehner zu springen, überschreiten würde. Aber im Grunde genommen hatte ich mich schon lange entschieden: Ich würde es nicht tun!
Wenn ich jetzt, ein paar Wochen später, darüber nachdenke, kommt es mir glatt lächerlich vor. Vom Zehner springen – gut, ich hätte eine Grenze überschritten. Abermal ehrlich, hätte es mir persönlich weitergeholfen, wenn ich es getan hätte? Nein. Klar, ich hätte noch Monate und Jahre von meinem Sprung vom Zehner erzählen können. Es wäre etwas Spektakuläres gewesen! Aber ist es das wirklich wert? Ich denke nicht.
Und seht mal, ich stand ja noch nicht mal oben! Schon ziemlich schwach, ich weiß. Andererseits gibt es wirklich wichtigere und weitaus größere Grenzen, die man im Leben überschreiten kann und sollte. Ein Sprung vom Zehnmeterbrett zählt nicht dazu.

[missxyz]

aus: OHnE Grenzen

Tags:

  • You can skip to the end and leave a comments. Trackback is currently closed.
  • Trackback URI: http://www.missxyz.de/index.php/103/grenzen-uberschreiten-vom-zehnmeterbrett-springen-%e2%80%93-fur-die-ohne.html/trackback
  • Comments RSS 2.0

Leave a Reply